Wie lange dauern die nachteiligen Folgen einer gerichtlichen Verurteilung an?

Aktualisiert: 30. Aug 2019

Eine rechtskräftige gerichtliche Verurteilung kann diverse nachteilige Folgen nach sich ziehen. So zum Beispiel den Ausschluss von der Ausübung eines Gewerbes, einen Eintrag im Strafregister und vieles mehr. Diese Folgen dauern so lange an bis die gerichtliche Verurteilung gemäß dem Tilgungsgesetz getilgt ist.


Je nach der Art der Verurteilung sind unterschiedliche Fristen zu beachten. Die Tilgungsfrist beginnt zu laufen, sobald alle Strafen bzw Maßnahmen vollzogen oder nachgesehen worden sind bzw nicht mehr vollzogen werden dürfen. Das bedeutet, dass die Strafe vollständig vollstreckt worden sein muss. So zum Beispiel nach der vollständigen Bezahlung einer Geldstrafe oder mit dem Verstreichen der Dauer einer angetretenen Freiheitsstrafe.


Die Tilgungsfristen (TF) sind abhängig vom verhängten Strafmaß und stellen sich gemäß § 2 Tilgungsgesetz bei einer einmaligen Verurteilung dar, wie folgt:

  • Jugendstraftaten nach §§ 12 oder 13 Jugendgerichtsgesetz --> 3 Jahre TF

  • Freiheitsstrafe von <1 Jahr, reine Geldstrafe, andere Strafe, andere Jugendstrafen --> 5 Jahre TF

  • Freiheitsstrafe von 1-3 Jahre --> 10 Jahre TF

  • Freiheitsstrafe von >3 Jahren, Unterbringung in Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher nach § 21 Abs 1 StGB --> 15 Jahre TF

  • lebenslange Freiheitsstrafe --> keine Tilgung! (Auch die Tilgung anderer Verurteilungen ist ausgeschlossen.)

  • Freiheitsstrafe >5 Jahre wegen Delikten aus dem 10. Buch des StGB (zB Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, Nötigung ua) --> keine Tilgung!

Werden sowohl eine Geld- als auch eine Freiheitsstrafe verhängt, sind diese zusammenzurechnen. Wurde jemand schon mehrmals verurteilt, tritt die Tilgung erst mit Ablauf der letzten noch laufenden Tilgungsfrist ein. Es tritt also die Tilgung aller Verurteilungen nur gemeinsam ein.


Es kann beim Vorliegen bestimmter Voraussetzungen ein Antrag an das erkennende Gericht gestellt werden, die Tilgung vorzeitig auszusprechen. Dies könnte zum Beispiel bei Aussichten auf einen konkreten Arbeitsplatz oder Ähnlichem sein. Beurteilt werden dabei die Gesamtumstände, vor allem aber die Persönlichkeit des Täters und dessen Entwicklung.

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